Wer sich in Werne aufs Rad schwingt, der kennt das Gefühl: Es ist eine Mischung aus purer Freude an der münsterländischen Parklandschaft und dem täglichen Kampf mit dem Asphalt-Dschungel. Diese Website war lange Zeit genau das Sprachrohr für dieses Gefühl. Wir haben hier nicht einfach Pressemitteilungen abgetippt. Wir haben dokumentiert, wo der Radweg abrupt im Nirgendwo endet, wo Baumwurzeln den Asphalt aufsprengen und wo politische Versprechen auf die harte Realität des Straßenverkehrs treffen.
Wenn wir heute auf das Thema „Fahrradstadt Werne“ schauen, dann sehen wir ein riesiges Puzzle. Viele Teile passen schon ganz gut zusammen, aber einige liegen noch immer wild verstreut unter dem Tisch. Lassen Sie uns mal gemeinsam – ganz ohne Schönfärberei – durch die Geschichte, den aktuellen Stand und die Visionen radeln. Denn Mobilität ist hier mehr als nur von A nach B zu kommen; es geht um Lebensqualität in unserer Stadt.
Vom Drahtesel zum Verkehrsträger: Ein Rückblick
Erinnern Sie sich noch an die Zeiten, als Radverkehrsplanung in Werne vor allem bedeutete, dass man irgendwo am Rand der Straße noch 50 Zentimeter Platz übrig hatte? Das ist gar nicht so lange her. Früher wurde das Fahrrad bei uns eher als Freizeitgerät für den Sonntagsausflug zur Marina Rünthe oder durch die Rieselfelder betrachtet. Dass jemand damit ernsthaft zur Arbeit pendeln will – bei Wind und Wetter – war in den Köpfen vieler Planer eher die Ausnahme.
Dieses Portal hier entstand ja genau aus dieser Lücke heraus. Es gab schlichtweg keine zentrale Stelle, die mal Tacheles geredet hat. Wir hatten:
- Verkehrskonzepte, die dicke Aktenordner füllten, aber auf der Straße kaum sichtbar waren. Man plante viel, setzte aber oft nur das Minimum um, damit der Autoverkehr bloß nicht gestört wird.
- Die berüchtigten „Drängelgitter“, die jeden Verkehrsfluss töten. Wer mal mit einem Fahrradanhänger oder einem Lastenrad versucht hat, durch diese Barrieren zu kommen, weiß, wovon ich spreche. Das war reine Schikane unter dem Deckmantel der Sicherheit.
- Einen Flickenteppich an Zuständigkeiten. Mal war Straßen.NRW verantwortlich, mal die Stadt, mal der Kreis Unna. Und der Leidtragende war der Radler, der vor einem Schlagloch stand, für das sich niemand zuständig fühlte.
Aber – und das muss man anerkennen – der Wind hat sich gedreht. Der Druck, den wir und andere Initiativen gemacht haben, hat gewirkt. Das Fahrrad ist raus aus der Nische „Freizeit“ und rein in die Schublade „Systemrelevant“.
Der Status Quo: Wo stehen wir wirklich?
Schauen wir uns die Gegenwart an. Es wird viel über die „Verkehrswende“ gesprochen. Ein schönes Wort für Sonntagsreden. Aber wie fühlt sich das auf der Steinstraße oder auf dem Weg nach Stockum an? Ehrlicherweise: gemischt.
In den letzten Jahren hat Werne Fortschritte gemacht, die man nicht kleinreden sollte. Wir sehen mehr Schutzstreifen – auch wenn die Diskussion darüber, ob ein Pinselstrich Farbe wirklich schützt, wohl nie enden wird. Aber zumindest wird dem Radverkehr Raum zugestanden. Ein großes Thema auf dieser Seite war immer die Sicherheit. Es ist absurd, wenn Eltern Angst haben müssen, ihre Kinder mit dem Rad zur Schule zu schicken, weil der Schulweg an unübersichtlichen Kreuzungen vorbeiführt, wo der Rechtsabbieger den toten Winkel gar nicht ernst genug nehmen kann.
Ein paar Beobachtungen aus dem aktuellen Verkehrsalltag in Werne:
- Die Qualität der Beläge ist entscheidend. Es bringt nichts, wenn wir tolle Routen auf der Karte haben, aber der Weg selbst so holprig ist, dass einem die Plomben rausfliegen. Asphaltierung im Außenbereich ist oft ein Streitpunkt mit dem Naturschutz, aber für Pendler unverzichtbar.
- Das Thema E-Bike hat die Distanzen verändert. Früher war der Weg von Werne-Mitte nach Horneburg oder rüber nach Hamm für viele eine Weltreise. Mit dem Pedelec ist das ein Katzensprung. Die Infrastruktur hinkt dieser Entwicklung aber hinterher – die Wege sind oft zu schmal für die Begegnung zweier schneller E-Bikes.
- Fahrradstraßen sind der neue Goldstandard, zumindest in der Theorie. Wenn Autos dort wirklich nur „zu Gast“ sind, funktioniert das prima. In der Praxis erleben wir aber oft, dass sich Autofahrer bedrängt fühlen und Radfahrer trotzdem an den Rand quetschen. Das ist Erziehungssache und braucht Zeit.
- Parken ist und bleibt der Endgegner. Wer in der Innenstadt Radwege fordert, muss Parkplätze streichen. Da kochen die Emotionen hoch, besonders beim lokalen Einzelhandel. Aber mal ehrlich: Ein Kunde, der mit dem Rad kommt, kauft vielleicht weniger auf einmal, kommt aber öfter.
Visionen für eine grüne Zukunft: Mehr als nur Farbe auf der Straße
Wenn wir über die Zukunft sprechen, über die Vision einer echten „Fahrradstadt Werne“, dann reicht es nicht, nur Bestandsaufnahme zu machen. Wir müssen größer denken. Dieses Portal hat immer wieder über den Tellerrand geschaut – in die Niederlande oder nach Kopenhagen, ja, aber auch in Nachbarstädte, die es einfach machen.
Die Vision für Werne muss ein lückenloses Netz sein. Nicht: „Hier ist ein schöner Radweg, und dann schieben Sie bitte 200 Meter.“ Ein echtes Netzwerk bedeutet, dass ich von Stockum bis in den Stadtkern rollen kann, ohne einmal absteigen oder Angst haben zu müssen. Das Stichwort ist hier Durchgängigkeit. Wenn wir über ökologische Mobilität reden, dann müssen wir das Radfahren so attraktiv machen, dass es bequemer ist als das Auto. Das ist der einzige Hebel, der funktioniert. Moralappelle funktionieren nicht, Bequemlichkeit schon.
Radschnellwege und Pendlerrouten
Der Anschluss an den Radschnellweg Ruhr (RS1) oder ähnliche regionale Projekte ist für Werne essenziell. Wir sind eine Pendlerstadt. Viele arbeiten in Dortmund, Hamm oder Münster. Wenn die Verbindung dorthin eine schnelle, glatte Piste ist, steigen die Leute um. Wenn es ein Ackerweg ist, nehmen sie den Diesel.
Dazu gehört auch intelligente Technik. Warum muss ich als Radfahrer an jeder Ampel betteln (Drücker drücken)? Eine moderne Fahrradstadt nutzt Sensoren, die erkennen: „Aha, da kommt ein Pulk Radfahrer, die kriegen jetzt Grün.“ Das beschleunigt den Radverkehr ungemein und kostet verhältnismäßig wenig.
Die Rolle der Mängelmelder und Bürgerbeteiligung
Ein Kernstück unserer Arbeit hier war immer das Aufzeigen von Mängeln. Das wird auch in Zukunft wichtig bleiben. Eine Verwaltung kann nicht überall gleichzeitig sein. Wenn auf der Route nach Capelle eine Scherbe seit zwei Wochen liegt, muss das gemeldet werden. Bürgerbeteiligung ist keine Einbahnstraße.
- Apps und digitale Meldewege müssen so einfach sein wie eine WhatsApp-Nachricht. Foto machen, Standort senden, erledigt. Wenn Bürger merken, dass ihre Hinweise ernst genommen und die Löcher gestopft werden, steigt die Akzeptanz für die städtische Planung enorm.
- Winterdienst ist auch so ein Thema. Lange Zeit wurden erst die Autostraßen geräumt, dann irgendwann die Radwege. In einer echten Fahrradstadt in spe dreht man das um – oder macht es zumindest gleichzeitig. Wer im Winter wegrutscht, fährt im nächsten Winter wieder Auto.
- Sichere Abstellanlagen sind der unterschätzte Faktor. Ein E-Bike kostet heute so viel wie ein Kleinwagen vor zwanzig Jahren. Das stellt man nicht einfach mit einem Felgenschloss an die Laterne am Bahnhof. Wir brauchen überwachte, sichere Boxen und Parkhäuser an Knotenpunkten.
Fazit: Ein Weg mit Steigung, aber lohnenswert
Zusammenfassend lässt sich sagen: Werne hat sich auf den Weg gemacht. Aus der Perspektive dieses Portals, das so viele Diskussionen, Planungen und leider auch Unfälle begleitet hat, sehen wir eine positive Tendenz. Aber es ist ein Marathon, kein Sprint. Die Umwandlung einer autogerechten Stadt in einen lebenswerten Raum für alle Verkehrsteilnehmer passiert nicht durch einen Ratsbeschluss allein.
Es braucht Hartnäckigkeit. Es braucht Leute, die nerven, wenn der Radweg wieder zugeparkt ist. Es braucht Planer, die mutig sind und auch mal Gegenwind aushalten, wenn Parkplätze wegfallen. Und es braucht uns alle, die wir aufs Rad steigen – egal ob für den Weg zum Bäcker, zur Arbeit oder einfach nur, um den Kopf frei zu kriegen. Wir haben hier die Möglichkeiten, die Topographie und eigentlich auch den Willen. Jetzt muss nur noch der Asphalt folgen.
