Wer kennt das nicht hier in Werne? Man plant eine schöne Tour Richtung Münsterland, aber der Rückweg sieht nach heftigem Gegenwind oder einem plötzlichen Gewitter aus. Oder man pendelt zur Arbeit nach Dortmund oder Hamm und hat einfach keine Lust, das Rad am Bahnhof stehenzulassen, wo es der Witterung (und leider manchmal auch Vandalismus) ausgesetzt ist. Die Kombination aus Fahrrad und ÖPNV ist eigentlich der heilige Gral der Verkehrswende – theoretisch.

In der Praxis stehen wir oft am Bahnsteig und rätseln: Darf ich jetzt rein? Welches Ticket brauche ich eigentlich, wenn ich das Deutschlandticket habe? Und was passiert, wenn der Busfahrer einfach „Nein“ sagt?

Ich habe mich durch den Tarifdschungel des WestfalenTarifs gewühlt, die Beförderungsbedingungen der VKU (Verkehrsgesellschaft Kreis Unna) studiert und – was noch wichtiger ist – jahrelange Erfahrung als Pendler gesammelt. Hier ist der ungeschminkte Leitfaden für alle, die ihr Rad in Bus und Bahn rund um Werne mitnehmen wollen.

Die Grundidee: Intermodal unterwegs (oder: Warum es kompliziert ist)

Das Wort „intermodal“ klingt super in den politischen Papieren, über die wir hier auf der Seite oft berichten. In der Realität bedeutet es meistens Stress, wenn man nicht vorbereitet ist. Werne liegt genau an der Schnittstelle. Wir gehören zum Kreis Unna, orientieren uns aber oft Richtung Münster oder ins nördliche Ruhrgebiet. Das heißt teils unterschiedliche Verkehrsverbünde und Regeln.

Grundsätzlich gilt: Das Fahrrad ist im ÖPNV immer nur ein „Gast zweiter Klasse“. Klingt hart, ist aber so. Rollstuhlfahrer, Kinderwagen und normale Fahrgäste haben immer Vorrang. Wenn der Zug voll ist, bleiben Sie draußen. Punkt. Da hilft auch kein Diskutieren mit dem Zugbegleiter der Eurobahn.

Schauen Sie sich hier unser lokales Radwegenetz an, um vielleicht doch Teilstrecken komplett per Pedes zu erledigen, falls der Schienenersatzverkehr mal wieder zuschlägt.

Mit dem Rad im Bus (VKU) – Ein Glücksspiel?

Fangen wir mit dem Bus an, weil das hier in Werne oft die erste Hürde ist. Die VKU hat klare Regeln, aber die Praxis hängt stark vom Fahrer und dem Fahrzeugtyp ab.

Normale Linienbusse haben in der Mitte diese Mehrzweckfläche. Dort, wo normalerweise der Kinderwagen steht, darf theoretisch auch Ihr Drahtesel hin. Aber machen wir uns nichts vor: In den Stoßzeiten, wenn die S10 oder R81 mit Schülern vollgestopft ist, können Sie das vergessen. Der Busfahrer hat hier das Hausrecht. Wenn er entscheidet, dass die Sicherheit gefährdet ist, bleiben Sie an der Haltestelle stehen.

  • In den meisten Bussen der VKU ist Platz für maximal ein, vielleicht zwei Fahrräder. Und das auch nur, wenn kein Kinderwagen und kein Rollstuhl da ist.
  • E-Bikes und Pedelecs werden mitgenommen, solange sie wie normale Fahrräder konstruiert sind. Bei Lastenrädern winken die meisten Fahrer sofort ab – die passen einfach nicht um die Kurve beim Einstieg.
  • Sichern ist Ihre Pflicht. Es gibt meistens diese Gummilaschen an der Seite. Nutzen Sie die. Wenn der Bus bei Rot heftig bremst und Ihr Rad durch den Gang segelt, haften Sie für Schäden.

Eine Ausnahme sind die speziellen Fahrradbusse, die im Sommer manchmal touristisch eingesetzt werden (Richtung Nordkirchen oder Cappenberg), die haben oft Heckträger oder Anhänger. Aber im normalen Alltagsverkehr in Werne? Planen Sie Puffer ein.

Die Bahn: Eurobahn und DB ab Werne a.d. Lippe

Der Bahnhof in Werne wird hauptsächlich von der RB 69 (Eurobahn) bedient. Die Strecke Münster – Hamm – Bielefeld ist die Lebensader für viele Pendler. Hier sieht die Sache meist entspannter aus als im Bus, hat aber ihre Tücken.

Die Züge der Eurobahn haben Mehrzweckabteile. Sie erkennen die von außen an den riesigen Fahrradsymbolen auf den Türen. Bitte stellen Sie sich nicht mit dem Rad vor eine normale Tür – Sie blockieren den Fluss und ernten böse Blicke, zu Recht.

Was Sie im Zug beachten müssen

  • Manchmal ist das Mehrzweckabteil voll mit Klappsitzen, auf denen Leute sitzen. Das ist eine psychologische Hürde. Sie müssen freundlich, aber bestimmt bitten, dass die Plätze geräumt werden. Das Recht ist auf Ihrer Seite (meistens), aber der Ton macht die Musik.
  • Gepäcktaschen abnehmen! Nichts frisst so viel Platz wie ein Rad mit zwei vollen Ortliebs hinten dran. Ohne Taschen passen drei Räder nebeneinander, mit Taschen nur eins.
  • Bleiben Sie beim Rad. In der RB 69 wackelt es ordentlich. Wenn das Rad umfällt, trifft es meistens das Schienbein eines anderen Fahrgastes.

Sollten Sie Mängel an den Zugängen zum Gleis feststellen, beispielsweise defekte Aufzüge (wobei wir in Werne ja Rampen haben, die aber auch ihre Tücken haben), nutzen Sie gerne unseren Mängelmelder für Infrastruktur.

Das leidige Thema Tickets und Preise

Hier wird es oft teuer oder verwirrend. Viele denken: „Ich hab doch das 49-Euro-Ticket (Deutschlandticket), da ist alles drin.“
Falsch.

Das Deutschlandticket gilt für Sie als Person. Ihr Fahrrad braucht fast immer eine eigene Fahrkarte. Fahren Sie „schwarz“ mit dem Rad, kostet das genauso 60 Euro Strafe, als wenn Sie selbst kein Ticket hätten. Ich habe schon oft gesehen, wie Leute deswegen aus dem Zug geworfen wurden.

Hier sind die Optionen, die für uns im Kreis Unna relevant sind:

  • Wer nur kurz ne Strecke fährt, löst oft das FahrradTagesTicket NRW. Das kostet aktuell pauschal einen Betrag (rechnen Sie mit knapp über 5 Euro), gilt aber dann den ganzen Tag für beliebig viele Fahrten in ganz NRW. Egal ob Sie nur von Werne nach Lünen fahren oder bis nach Aachen.
  • Für regelmäßige Pendler gibt es oft Monatszusatztickets. Wenn Sie jeden Tag das Rad mit zur Arbeit nehmen, rechnet sich das Tagesticket nicht. Fragen Sie im Kundencenter oder schauen Sie in der WestfalenTarif-App nach dem „FahrradAbo“.
  • Es gibt eine kleine Falle beim Übergang in den VRR (Verkehrsverbund Rhein-Ruhr). Werne liegt im WestfalenTarif. Fahren Sie nach Dortmund, wechseln Sie den Verbund. Das NRW-Fahrradticket deckt das ab. Ein einfaches lokales Zusatzticket manchmal nicht. Im Zweifel immer das NRW-Ticket nehmen, damit ist man auf der sicheren Seite.

Lesen Sie hier, was die lokale Politik aktuell unternimmt, um Tarife vielleicht radfreundlicher zu gestalten – ein Dauerthema in den Ausschüssen.

Die Sperrzeiten-Regelung (Achtung beim VRR!)

Wer von Werne Richtung Dortmund pendelt, muss aufpassen. Während im WestfalenTarif (Kreis Unna) die Mitnahme zeitlich meist flexibel gehandhabt wird (solange Platz ist), gibt es im angrenzenden VRR oft noch die alte Regelung der Sperrzeiten im Berufsverkehr.

Früher war es strikt verboten, zwischen 6:30 und 9:00 Uhr ein Rad mitzunehmen. Das wurde in vielen Bereichen gelockert, aber verlassen Sie sich nicht blind darauf. Die goldene Regel lautet immer noch: Wenn der Zug im Berufsverkehr (und die RB 69 ist morgens um 7:30 Uhr eine Sardinenbüchse) voll ist, nimmt die Bahn Sie nicht mit. Kein Ticket der Welt erkauft Ihnen das Recht auf Mitnahme bei Überfüllung.

Faltraeder: Der Geheimtipp

Ich nenne es den „Pendler-Hack“. Ein echtes Faltrad (wie Brompton, Birdy oder auch günstigere Modelle), das zusammengeklappt wird, gilt rechtlich nicht als Fahrrad. Es ist dann ein Gepäckstück.

  • Es kostet nichts extra. Kein Fahrradticket nötig.
  • Es unterliegt keinen Sperrzeiten.
  • Sie werden (fast) nie abgewiesen, weil das Ding auch zwischen zwei Sitze passt.

Wer ernsthaft jeden Tag von Werne mit der Bahn pendelt, sollte die Investition in ein Faltrad in Betracht ziehen. Das spart auf Dauer hunderte Euro an Tickets und schont die Nerven massiv.

Fazit für Werne

Die Mitnahme von Fahrrädern in Bus und Bahn im Kreis Unna ist möglich, aber sie erfordert Strategie. Spontan mit dem Rad zum Bus rennen, weil es regnet, kann schiefgehen. Planen Sie vor allem bei der Bahn genug Zeit ein, um notfalls einen Zug später zu nehmen, wenn der erste brechend voll ist.

Und ganz ehrlich: Manchmal ist es einfacher, das gute Rad sicher am Bahnhof in einer Box (sofern verfügbar und nicht seit Jahren ausgebucht) zu parken und am Zielort ein Zweitrad oder Leihrad zu nutzen. Aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel.