Wer schon einmal im November morgens um halb sieben von Stockum Richtung Innenstadt geradelt ist, kennt das Gefühl: Es ist stockfinster, der Nieselregen klatscht gegen die Brille, und man hofft einfach nur, dass der Autofahrer an der nächsten Einmündung einen nicht für einen Schatten hält. In Werne haben wir zwar einige schöne Radwege, aber beleuchtet sind längst nicht alle – und oft genug teilen wir uns den Asphalt mit dem Berufsverkehr.

Licht am Fahrrad ist kein Gadget für Technik-Nerds. Es ist Ihre Lebensversicherung. Punkt. Früher war das Thema Beleuchtung ein Graus – quietschende Seitenläufer-Dynamos, die bei Nässe durchrutschten, und Glühbirnchen, die durchbrannten, wenn man einmal zu schnell den Berg runterfuhr. Heute? Haben wir Technik, die fast schon Spaß macht. Aber Technik nützt nichts, wenn sie falsch eingestellt ist oder zu Hause auf dem Küchentisch liegt.

Gehen wir mal weg von der drögen Theorie und schauen uns an, was auf unseren Straßen wirklich funktioniert.

Was die StVZO wirklich verlangt (und was sinnvoll ist)

Deutschland und seine Regeln. Jahrelang war die Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) der natürliche Feind des sportlichen Radfahrers, weil sie stur auf dem Dynamo beharrte. Das hat sich zum Glück geändert. Seit 2ober013 und einer weiteren Anpassung 2017 ist die Rechtslage entspannter, aber auch ein bisschen unübersichtlicher.

Hier ist der Stand der Dinge, ohne Juristendeutsch:

  • Sie müssen keinen Dynamo mehr haben. Batterie- oder Akku-Beleuchtung ist vollkommen legal, solange sie das Prüfzeichen des Kraftfahrt-Bundesamtes trägt (die berühmte K-Nummer mit der Wellenlinie).
  • Die Spannung darf inzwischen auch 6 Volt überschreiten – wichtig für moderne E-Bike-Systeme, die direkt vom Hauptakku speisen.
  • Beleuchtung muss nicht mehr fest verschraubt sein. Anstecklichter sind okay, müssen aber während der Fahrt fest sitzen und – das vergessen viele – tagsüber zumindest mitgeführt werden, wenn die Sichtverhältnisse es erfordern könnten. In der Praxis: Haben Sie die Dinger immer dabei oder fest montiert.

Ein Detail, das bei Polizeikontrollen – die es hier in Werne ja durchaus ab und zu gibt, etwa an den Schulen – immer wieder auffällt: Das blinkende Licht.

Ganz ehrlich, ich sehe das ständig. Vorne blinkt es hektisch weiß, hinten rot. Das mag Aufmerksamkeit erregen, ist in Deutschland aber am Fahrrad verboten. Warum? Weil ein blinkendes Licht im Dunkeln die Entfernungsschätzung für andere Verkehrsteilnehmer extrem schwierig macht. Ein Autofahrer kann kaum einschätzen, wie schnell Sie sich nähern, wenn Sie wie eine Disco-Kugel pulsieren. Dauerlicht ist Pflicht.

Der ewige Kampf: Dynamo oder Akku?

Wenn wir über Beleuchtung diskutieren, spaltet sich die Radfahrerschaft meist in zwei Lager. Ich bin da Pragmatiker. Es kommt darauf an, wie und wo Sie fahren.

Die Akku-Fraktion

Die Vorteile liegen auf der Hand. Kein Kabelgewirr am Rahmen, kein Widerstand beim Treten (obwohl der bei modernen Dynamos eh kaum spürbar ist). Sie kaufen sich ein Set, laden es per USB am Laptop auf und klicken es an den Lenker. Fertig.

Aber hier ist der Haken: Murphys Gesetz. Der Akku ist immer dann leer, wenn Sie es am wenigsten brauchen. Etwa auf dem Rückweg vom Sportverein, wenn es unerwartet spät wurde. Außerdem neigen Anstecklichter dazu, in der Hosentasche vergessen zu werden oder – noch schlimmer – geklaut zu werden, wenn man das Rad mal kurz vor dem Bäcker stehen lässt.

Gute Akkulampen zeigen Ihnen heutzutage über eine kleine LED an, wenn der Saft zur Neige geht. Ignorieren Sie dieses Lämpchen niemals. Wenn die Lampe dann in den „Notmodus“ schaltet, haben Sie oft nur noch ein Teelicht, um nach Hause zu kommen.

Die Dynamo-Befürworter (Nabendynamo)

Vergessen Sie die alten Seitenläufer, die an der Reifenflanke surren und bei Schnee versagen. Ich rede vom Nabendynamo im Vorderrad. Für Alltagsradler in Werne, die bei Wind und Wetter zur Arbeit oder Schule fahren, ist das Ding eigentlich alternativlos.

  • Das Licht ist immer da. Sie müssen an nichts denken.
  • Keine Batterien, die im Winter bei Minusgraden schlappmachen.
  • Moderne LED-Scheinwerfer mit Standlichtfunktion sorgen dafür, dass Sie auch an der roten Ampel an der B54 nicht plötzlich unsichtbar werden, nur weil Sie stehen. Der Kondensator hält das Rücklicht und oft auch den Frontscheinwerfer minutenlang am Leuchten.

Mein Tipp: Wenn Sie ein neues Rad kaufen oder nachrüsten – nehmen Sie den Nabendynamo. Die Zuverlässigkeit schlägt die Flexibilität der Akkulampen im Alltag um Längen.

Helligkeit: Lux, Lumen und der Blender-Effekt

Früher hatten wir 10 Lux-Funzeln. Damit wurde man gesehen, sah selbst aber so gut wie nichts. Heute werben Hersteller mit 50, 80 oder sogar 100 Lux. Aber mehr ist nicht immer besser, wenn man es falsch einsetzt.

Ein extrem heller Scheinwerfer muss penibel eingestellt sein. Der Lichtkegel gehört auf die Straße, nicht in die Baumwipfel oder in die Augen des Gegenverkehrs. Ein falsch eingestellter 80-Lux-Scheinwerfer blendet einen entgegenkommenden Autofahrer oder Radler so massiv, dass der für Sekundenbruchteile im Blindflug unterwegs ist. Das gefährdet am Ende wieder Sie selbst.

Die Faustregel für die Einstellung ist simpel: Stellen Sie das Rad 5 Meter vor eine Wand. Die hellste Stelle des Lichtkegels an der Wand muss niedriger liegen als die Höhe des Scheinwerfers am Lenker. Der „Lichthorizont“ sollte auf der Straße landen, idealerweise so, dass Sie Schlaglöcher und Mängel im Radweg noch rechtzeitig erkennen können, bevor es rappelt.

Passive Sichtbarkeit: Machen Sie sich breit

Licht ist aktiv. Reflektoren sind passiv. Beides zusammen entscheidet darüber, ob Sie als „Fahrzeug“ oder als „dunkles Etwas“ wahrgenommen werden. Die StVZO schreibt ein ganzes Arsenal an Reflektoren vor („Katzenaugen“).

Viele moderne Reifen haben glücklicherweise bereits einen Reflexstreifen auf der Flanke. Das erspart Ihnen die gelben Speichenreflektoren, die gerne mal abbrechen oder klappern. Wenn Ihre Reifen das nicht haben: Es gibt mittlerweile diese dünnen „Speichensticks“. Die sind tagsüber fast unsichtbar silbern, leuchten nachts aber hellweiß, wenn sie angestrahlt werden. Sieht besser aus und hält meist länger.

Das Thema Warnwesten

Ich weiß, Warnwesten sehen nicht cool aus. Man fühlt sich ein bisschen wie ein Bauarbeiter oder ein Erstklässler auf dem Weg zur Schule. Aber wenn wir über Landstraßen rund um Werne sprechen, wo Radwege oft nur durch einen Grünstreifen oder eine weiße Linie abgetrennt sind:

  • Eine gelbe Weste hebt Sie vom grauen Asphalt ab.
  • Reflektierende Bänder an den Fußgelenken sind sogar noch effektiver. Warum? Weil die Bewegung der Füße (hoch und runter) für das menschliche Gehirn sofort als „Radfahrer“ decodiert wird. Biologische Bewegungserkennung nennt man das. Ein statischer Reflektor am Rücken wird erst viel später wahrgenommen.

Herbst und Winter: Die harten Monate

Gerade in der dunklen Jahreszeit kommt noch ein Faktor dazu: Nässe schluckt Licht. Dunkler Asphalt, der nass ist, reflektiert kaum Scheinwerferlicht zurück. Ihre Lampe muss also stark genug sein, um „Schwarze Löcher“ auf dem Weg auszuleuchten.

Wenn Sie viel auf unbeleuchteten Wirtschaftswegen unterwegs sind – etwa draußen Richtung Varnhövel oder in den Rieselfeldern –, lohnt sich Investition in Qualität. Billige Lampen haben oft einen sehr schmalen Lichtkegel. Man sieht zwar hell, was direkt vor einem ist, aber nicht, was in der Kurve lauert. Gute Scheinwerfer (z.B. von Busch & Müller oder Supernova, um mal Namen zu nennen) haben eine breite Ausleuchtung, die auch den Wegesrand erfasst.

Und noch eine Kleinigkeit aus Erfahrung: Putzen Sie Ihre Lampen. Ein Scheinwerfer, der mit Schlammspritzern vom letzten Regenschauer bedeckt ist, verliert locker 50% seiner Leuchtkraft. Einmal kurz mit dem Handschuh drüberwischen vor der Abfahrt wirkt Wunder.

Beleuchtung ist am Ende keine Frage von Paragraphen, sondern von gesundem Menschenverstand. Wer gesehen wird, kommt an. Wer sich auf „wird schon gutgehen“ verlässt, zieht meist den Kürzeren.

Zögern Sie nicht, uns Mängel an der Straßenbeleuchtung oder dunkle Gefahrenstellen über unser Portal zu melden. Wir geben das an die Stadt Werne weiter.