Wenn man morgens um halb sieben am Werner Bahnhof ankommt, den Kopf noch halb im Kopfkissen, ist das Letzte, was man braucht, Stress bei der Parkplatzsuche. Als jemand, der die Entwicklung der lokalen Radinfrastruktur seit Jahren beobachtet – und oft genug auch kritisiert – muss ich sagen: Hier hat sich in Werne wirklich etwas getan. Früher war „Fahrradparken am Bahnhof“ eher ein Euphemismus für „Schmeiß dein Rad ins Gebüsch und hoffe, dass es abends noch da ist“. Heute reden wir über eine ganz andere Qualität, auch wenn natürlich nicht alles Gold ist, was glänzt.

Für Pendler, die täglich nach Dortmund oder Münster müssen, ist die Kombination aus Rad und Bahn (Bike & Ride) eigentlich unschlagbar. Vorausgesetzt, das teure E-Bike steht nicht im strömenden Regen oder wird zur Ersatzteilquelle für Fahrraddiebe. Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf das Angebot vor Ort – von der offenen Box bis zur vollautomatisierten Station.

Die offene Parksituation: Schnell, aber nass?

Wer nur kurz zum Bahnhof muss oder ein altes „Bahnhofsrad“ fährt, dem reichen oft die frei zugänglichen Bügel. Wir haben auf dem Vorplatz und in direkter Nähe zu den Gleisen diverse Abstellmöglichkeiten. Positiv fällt auf, dass die Stadt hier in den letzten Jahren nachgebessert hat. Die alten „Felgenkiller“, wo man das Vorderrad reinzwängt und auf eine Acht in der Felge wartet, sind weitgehend Geschichte. Stattdessen dominieren Anlehnbügel.

Aber schauen wir der Realität ins Auge: Die überdachten Plätze sind heiß begehrt. Wer erst um 08:00 Uhr kommt, hat oft Pech gehabt. Das beobachte ich immer wieder, besonders in den Herbstmonaten. Da stehen die Räder dann in zweiter Reihe oder ungeschützt im Wetter. Wenn Sie also ein hochwertiges Pedelec besitzen, ist das „wilde“ Parken oder die Nutzung der offenen Ständer auf Dauer keine Option, die ich empfehlen würde – schon gar nicht bei der aktuellen Diebstahlstatistik im Kreis Unna.

Ein weiterer Punkt, den wir im Rahmen unserer Diskussionen zur Verkehrssicherheit oft ansprechen, ist die Beleuchtung. Die ist am Werner Bahnhof zwar vorhanden, aber in den Randbereichen der Abstellanlagen fühlt man sich nachts nicht gerade pudelwohl, wenn man noch ewig sein Schloss im Dunkeln fummeln muss.

Die Radstation Werne: Der „Tresor“ für Pendler

Kommen wir zum Herzstück der Anlage. Die Radstation am Bahnhof Werne ist das, was wir uns eigentlich für mehr Standorte wünschen würden. Betrieben wird das Ganze – wie im Kreis oft üblich – in Kooperation mit der DasDies Service GmbH. Das ist kein personal besetzter Laden, wo man freundlich begrüßt wird und einen Kaffee bekommt, sondern eine funktionale, automatisierte Parkanlage. Und genau das brauchen wir Pendler auch.

Das System funktioniert technisch ziemlich reibungslos, was ich nicht von jeder automatischen Tür in Deutschland behaupten kann. Der Zugang ist elektronisch geregelt.

So funktioniert der Zugang in der Praxis

  • Man muss sich einmalig registrieren und einen Zugangschip (Transponder) besorgen. Das ist zwar eine kleine bürokratische Hürde am Anfang, sorgt aber dafür, dass nicht jeder x-beliebige hineinspazieren kann.
  • Mit dem Chip haben Sie 24 Stunden am Tag Zugang, 7 Tage die Woche. Das ist entscheidend, wenn der RE mal wieder Verspätung hat und man erst tief in der Nacht in Werne strandet.
  • Videoüberwachung ist aktiv. Das gibt zwar keine hundertprozentige Garantie, schreckt Gelegenheitsdiebe aber massiv ab. Meiner Erfahrung nach ist die Diebstahlquote in solchen Stationen verschwindend gering im Vergleich zum Außenbereich.
  • Die Kostenstruktur ist fair gestaltet. Es gibt Tages-, Monats- und Jahrestickets. Für Dauernutzer – also den klassischen Berufspendler – ist das Jahresticket meist die einzig sinnvolle Option. Rechnen Sie das mal gegen den Verschleiß durch Witterung draußen, dann hat sich der Betrag schnell amortisiert.

Ein kleines Manko gibt es aus meiner Sicht: Die Kapazitäten. Die Radstation ist beliebt. Es kann vorkommen, dass es Wartelisten für Dauerstellplätze gibt. Das ist einerseits ein gutes Zeichen für die Akzeptanz, andererseits ärgerlich für Neueinsteiger. Hier müsste die lokale Verkehrsplanung eigentlich schon längst über eine Erweiterung nachdenken, wenn wir die Verkehrswende in Werne ernst nehmen wollen.

Fahrradboxen: Die private Garage am Gleis

Neben der großen Sammelgarage (Radstation) fallen Ihnen vielleicht die einzelnen, massiven Metallboxen auf. Diese Mietboxen sind quasi die Luxusklasse des Fahrradparkens.

Warum sollte man so eine Box mieten, wenn es die Radstation gibt?

  • Manche Leute lassen ihr Helm, Regenkleidung oder sogar Packtaschen gerne am Rad. In der Sammelgarage der Radstation ist das zwar sicherer als draußen, aber in einer eigenen, abschließbaren Box kommt gar keiner ran.
  • Das „Kuschelparken“ entfällt. In der Radstation kann es eng werden; da haut schon mal ein fremdes Pedal gegen den eigenen Rahmen. In der Einzelbox hat Ihr Lack seine Ruhe.
  • E-Bike-Akkus sind ein Thema. Wer Angst um seinen Akku hat oder ihn nicht immer mitschleppen will, fühlt sich bei einer blickdichten Einzelbox oft wohler.

Aber Vorsicht: Diese Boxen sind noch knapper als die Plätze in der Station. Wer hier eine ergattert, gibt sie so schnell nicht wieder her. Man muss sich meist direkt an den Anbieter wenden und Geduld mitbringen.

Warum Bike & Ride für Werne so wichtig ist

Wir liegen hier in Werne strategisch eigentlich günstig, aber der Weg zum Bahnhof zieht sich, je nachdem ob man aus Stockum, Horst oder der Innenstadt kommt. Der Busverkehr ist – sagen wir es diplomatisch – ausbaufähig, besonders in den Randzeiten. Das Auto zum Bahnhof zu nehmen, erscheint oft als die bequemste Lösung, ist aber eigentlich Irrsinn. Die Parkplätze für PKWs sind schnell voll, und morgens stehen Sie im Stau.

Das Fahrrad ist auf dieser „letzten Meile“ (oder den letzten drei Kilometern) einfach überlegen. Wenn ich sehe, wie Diskussionen über teure Parkhäuser für Autos geführt werden, während wir mit vergleichsweise wenig Geld die Fahrradkapazitäten verdoppeln könnten, fehlt mir manchmal das Verständnis. Eine gute Anbindung durch das Radwegenetz direkt bis an die Gleise ist entscheidend. Es bringt nichts, wenn die Radstation toll ist, man aber auf dem Weg dorthin fast überfahren wird. Da gibt es an einigen Zufahrtsstraßen zum Bahnhof definitiv noch Handlungsbedarf, über den wir hier auf der Seite auch regelmäßig berichten.

Wichtige Tipps für Neulinge

Falls Sie planen, jetzt häufiger das Rad zum Bahnhof zu nehmen, hier noch ein paar Erfahrungswerte aus der Praxis:

  • Melden Sie sich frühzeitig für einen Platz in der Radstation an. Warten Sie nicht bis November, wenn es schon regnet – dann haben alle die gleiche Idee.
  • Prüfen Sie Ihr Licht. Der Weg vom Bahnhof in die Wohngebiete ist teils mäßig beleuchtet.
  • Nutzen Sie, wenn möglich, den Service der Station für kleinere Reparaturen, falls angeboten. Nichts ist nerviger, als morgens mit einem Platten am Zug anzukommen und abends nicht wegzukommen. Die Betreiber bieten oft Service-Pakete an.

Insgesamt ist das Angebot am Bahnhof Werne solide, vor allem im Vergleich zu kleineren Nachbargemeinden. Es steht und fällt aber mit der Wartung und der Kapazität. Wir bleiben dran und werden auch weiterhin Mängel und Probleme an die Zuständigen weiterleiten, damit das Parken nicht zum Abenteuer wird.