Hand aufs Herz: Wer in Werne regelmäßig in die Pedale tritt, kennt diese Stellen. Die eine Wurzelaufbrüche an der Stockumer Straße, die einem fast den Lenker aus der Hand schlagen. Oder die Scherbenhaufen, die nach dem Wochenende seltsam verlässlich an denselben Kreuzungen, etwa Richtung Innenstadt, auftauchen und die Reifen gefährden.
Es bringt aber herzlich wenig, sich nur beim Sonntagsausflug oder am Stammtisch darüber aufzuregen. Meckern ändert keinen Asphalt. Die Verwaltung im Stadthaus hat keine Sensoren in unseren Felgen verbaut – die wissen oft schlichtweg nicht, dass da draußen ein neues Schlagloch klafft.
Genau deshalb ist dieser Mängelmelder so wichtig. Wir müssen als Radfahrer die Augen und Ohren der Verkehrsplaner sein. Wenn wir nichts sagen, passiert auch nichts. Hier erfahren Sie, wie Sie Defekte effektiv melden, warum „Zuständigkeit“ oft das komplizierteste Wort der deutschen Sprache ist und wie wir gemeinsam den Druck erhöhen können.
Warum das Melden von Schäden mehr ist als Bürgerpflicht
Man könnte meinen, die Stadtverwaltung müsste ihre eigenen Wege kennen. In der Theorie stimmt das. In der Praxis hat der Bauhof in Werne aber nicht die Kapazitäten, jeden der zahlreichen Radweg-Kilometer wöchentlich abzufahren und auf Risse zu prüfen. Die Realität sieht so aus: Schäden werden repariert, wenn sie „aktenkundig“ werden.
Da gibt es noch einen rechtlichen Aspekt, den viele unterschätzen. Es geht um die Verkehrssicherungspflicht. Sobald eine Gefahrenstelle offiziell gemeldet ist, beginnt für die behördliche Mühle die Uhr zu ticken. Die Stadt oder der Kreis Unna (je nachdem, wem die Straße gehört) muss dann handeln – sei es durch Warnschilder oder eine Reparatur. Meldet niemand den Schaden, kann sich die Behörde im Falle eines Unfalls oft darauf berufen, von der Gefahr nichts gewusst zu haben.
Wir schaffen mit jeder Meldung also eine Datengrundlage. Wenn an einer Stelle immer wieder Probleme gemeldet werden, rutscht diese Priorität vielleicht vom Stapel „Kosmetische Reparaturen“ auf den Stapel „Dringender Handlungsbedarf“.
Wie und wo melde ich was? (Ohne im Bürokratie-Dschungel zu verzweifeln)
Das größte Hindernis ist oft die Frage: Wer ist eigentlich zuständig? In Werne haben wir einen bunten Flickenteppich aus städtischen Straßen, Kreisstraßen und Landesstraßen. Für den Radfahrer sieht der Asphalt überall gleich grau aus, aber verwaltungstechnisch sind das Welten.
Zum Glück müssen Sie nicht vorher das Katasteramt anrufen. Es gibt inzwischen Wege, die das für Sie sortieren.
Der direkte Draht zur Stadt Werne
Die Stadtverwaltung Werne nutzt – wie viele Kommunen im Kreis Unna – digitale Kanäle. Der effektivste Weg ist oft der offizielle Mängelmelder oder die entsprechende App der Stadt, sofern verfügbar. Aber auch eine simple E-Mail an das Ordnungsamt oder den Bereich Tiefbau wirkt oft Wunder, vorausgesetzt, sie ist präzise formuliert.
Was in eine gute Meldung gehört, habe ich über die Jahre schmerzhaft gelernt. „Loch auf der Münsterstraße“ reicht nicht. Das landet im digitalen Papierkorb, weil keiner Zeit hat, die ganze Straße abzusuchen. So wird ein Schuh draus:
- Geben Sie den exakten Standort an. Am besten mit GPS-Daten oder einer Beschreibung wie „Höhe Hausnummer 45, stadtauswärts rechts“.
- Ein Foto sagt mehr als tausend wütende Worte. Zücken Sie das Smartphone. Ein Bild vom Schlagloch mit einem Größenvergleich (ein Fuß oder eine Trinkflasche daneben) hilft den Sachbearbeitern, die Dringlichkeit einzuschätzen.
- Beschreiben Sie die Art der Gefahr. Ist es nur holprig oder besteht akute Sturzgefahr?
Apps für Unterwegs: Wegeheld und Co.
Ich persönlich nutze gerne drittanbieter Apps, die die Meldung automatisch an die richtige Behörde weiterleiten. Die Plattform Mängelmelder.de ist so ein Klassiker. Sie setzen einen Pin auf die Karte, laden das Foto hoch, wählen die Kategorie „Radwegschäden“ und das System sucht sich die zuständige E-Mail-Adresse der Verwaltung raus.
Das funktioniert auch hervorragend bei zugeparkten Radwegen. Ein ständiges Ärgernis. Wenn Sie hier aktiv werden wollen, schauen Sie sich Apps wie „Wegeheld“ an. Wobei hier Vorsicht geboten ist: Nicht jede Anzeige führt zu einem Bußgeld, aber es erzeugt statistischen Druck auf die Politik, endlich baulich etwas gegen Falschparker zu unternehmen.
Die Klassiker: Welche Mängel wir nicht hinnehmen müssen
Wir Radfahrer sind leidensfähig. Wir haben uns an so viel schlechte Infrastruktur gewöhnt, dass wir manche Mängel gar nicht mehr wahrnehmen. Aber wir sollten unsere Ansprüche nicht runterschrauben. Es gibt Dinge, die sind einfach inakzeptabel.
Da wären zum einen die Wurzelaufbrüche. Asphalt ist flexibel, aber irgendwann gibt er nach. Oft sieht man das auf älteren Radwegen entlang der Ausfallstraßen. Diese harten Kanten sind Felgenkiller. Wenn der Höhenunterschied mehr als zwei, drei Zentimeter beträgt, ist das eine Gefahrenstelle. Melden Sie das! Oft wird dann kurzfristig abgefräst oder zumindest eine Warnbake aufgestellt.
Ein anderes leidiges Thema ist der Bewuchs. Wer schon mal im Sommer auf schmalen Wegen von Brennnesseln oder herabhängenden Ästen „gestreichelt“ wurde, weiß, was ich meine. Das ist kein Naturerlebnis, das ist mangelnde Pflege. Der sogenannte Lichtraumfreischnitt ist Pflicht. Radwege müssen in voller Breite und Höhe nutzbar sein. Wenn Sie sich ducken müssen, läuft was falsch.
Dann haben wir das Thema Scherben und Split. Nach dem Winter liegt der Streusplit oft noch bis Mai in den Kurven – extrem rutschig. Und Glas ist der Endgegner jedes Rennradreifens. Hier ist oft der Bauhof schnell zur Stelle, wenn man Bescheid gibt. Kehrmaschinen fahren Tourenpläne, aber die können auch mal außer der Reihe geschickt werden, wenn eine akute Gefährdung vorliegt.
Auch verblasste Markierungen sind ein Mangel. Besonders bei den berüchtigten „Schutzstreifen“ (die gestrichelten Linien am Fahrbahnrand). Wenn die Farbe weg ist, halten Autofahrer oft weniger Abstand, weil die visuelle Grenze fehlt. Eine E-Mail an die Verkehrsplanung kann hier dazu führen, dass der Markierungstrupp im Frühjahr diese Stelle mit auf die Liste nimmt.
Geduld ist leider Teil der Ausrüstung
Jetzt muss ich aber auch mal realistisch bleiben und die Erwartungen etwas dämpfen. Wenn Sie heute ein Schlagloch melden, ist das morgen nicht zuasphaltiert. Behördenmühlen mahlen langsam, und oftmals hängt es am Budget.
Ich erinnere mich an einen Fall an einer Landstraße hier in der Nähe. Da wurde ein massiver Riss gemeldet. Es dauerte drei Wochen, bis eine Antwort kam („Zuständigkeit liegt bei Straßen.NRW“), dann noch mal zwei Monate, bis ein Schild „Radwegschäden“ aufgestellt wurde. Die eigentliche Reparatur ließ ein halbes Jahr auf sich warten.
Das ist frustrierend, ja. Aber: Wäre die Meldung nicht rausgegangen, stünde da vermutlich heute noch nicht mal das Schild, und der Riss wäre doppelt so groß. Manchmal bewirkt man mit einer Meldung auch nur sogenannte „Kaltasphalt-Flicken“. Das sieht nicht schön aus und hält nur einen Winter, aber es nimmt erst mal die Sturzgefahr raus.
Unser Netzwerk nutzen
Manchmal kommt man als Einzelkämpfer nicht weiter. Wenn eine Meldung seit Monaten ignoriert wird, hilft oft Öffentlichkeit. Nutzen Sie dieses Portal hier. In unseren Berichten über lokale Verkehrsplanung greifen wir solche Dauerbrenner gerne auf. Wenn die Presse oder ein gebündeltes Interesse dahintersteht, bewegt sich im Rathaus oft plötzlich doch etwas.
Auch der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club) ist ein starker Partner. Die Ortsgruppen haben oft den direkten Draht in den Verkehrsausschuss. Ein Mangel, der im Protokoll einer Ausschusssitzung landet, hat ein ganz anderes Gewicht als eine einzelne E-Mail im Posteingang des Bauhofs.
Fazit: Handy raus, statt ärgern
Wir haben in Werne einige schöne Strecken, aber eben auch viel Sanierungsstau. Das Radwegenetz ist ein lebender Organismus, der permanent verfällt und erneuert werden muss. Sehen Sie sich nicht als Nörgler, wenn Sie einen Mangel melden.
Sehen Sie sich als ehrenamtlichen Qualitätssicherer für unsere Stadt. Jede entfernte Wurzel und jede gefegte Kurve macht das Radfahren für alle sicherer – für die Schulkinder, die Senioren auf ihren E-Bikes und für uns Alltagspendler. Also: Beim nächsten Holperer kurz anhalten, Foto machen, abschicken. Es dauert zwei Minuten. Und es wirkt.
