Hand aufs Herz: Wer morgens im Berufsverkehr auf der Kamener Straße steht oder versucht, in der Innenstadt von Werne einen Parkplatz zu finden, der hat sich das sicher schon mal gefragt. Muss das sein? Ich höre immer wieder von Leuten, die sagen: „Ich würde ja gern radeln, aber…“ – und dann kommen die Klassiker: Zu weit, zu nass, zu schwitzig.
Aber gerade hier bei uns im Kreis Unna, wo das Münsterland auf das Ruhrgebiet trifft, ändern sich die Bedingungen gerade gewaltig. Ich beobachte die Verkehrspolitik hier seit Jahren, und auch wenn wir oft genug über Schlaglöcher und fehlende Radwege gemeckert haben – die Mobilitätswende passiert tatsächlich. Nicht in glänzenden Prospekten, sondern morgens um halb acht auf dem Weg zur Arbeit.
Lassen Sie uns mal Tacheles reden über das Pendeln mit dem Rad in Werne, warum das Dienstrad-Leasing (Stichwort JobRad) gerade durch die Decke geht und wo wir verkehrstechnisch überhaupt stehen.
Warum sich der Umstieg gerade hier lohnt (ohne Schönfärberei)
Vergessen Sie mal kurz die ganze „Rettet das Klima“-Rhetorik. Das ist wichtig, klar, aber morgens, wenn der Wecker klingelt, ist den meisten von uns ihre persönliche Bequemlichkeit näher als der CO2-Fußabdruck. Der eigentliche Grund, warum immer mehr Werner den Autoschlüssel liegen lassen, ist ein anderer: Es ist oft schlichtweg praktischer.
Werne ist flächenmäßig überschaubar. Vom Norden in Stockum bis runter zum Gewerbegebiet Wahrbrink sind es vielleicht sieben, acht Kilometer. Das ist mit dem E-Bike eine Sache von 20 Minuten. Mit dem Auto brauchen Sie im Feierabendverkehr oft länger, wenn man die Ampelphasen und die Parkplatzsuche einrechnet. Ich habe das selbst mal gestoppt – Tür zu Tür gewinnt das Rad innerorts fast immer.
Dazu kommt der Faktor „Kopf freipusten“. Wer acht Stunden im Büro sitzt oder im Lager steht, für den ist die halbe Stunde Rückweg auf dem Rad oft das einzige Ventil, um runterzukommen. Man lässt den Stress auf dem Asphalt.
Routen-Check: Wo es läuft und wo es hakt
Wenn wir über das Pendeln reden, müssen wir uns die Infrastruktur ehrlich anschauen. Werne ist nicht Kopenhagen, und wir haben hier auf der Seite oft genug dokumentiert, wo Wurzelaufbrüche die Fahrt zur Holperpiste machen oder Radstreifen plötzlich im Nichts enden.
Trotzdem gibt es Lichtblicke für Pendler, die man kennen sollte:
- Viele nutzen die ehemaligen Wirtschaftswege durch die Bauernschaften, um dem Hauptverkehr zu entgehen. Gerade Richtung Herbern oder Capelle kommt man oft zügiger voran, wenn man die Hauptstraßen meidet und die asphaltierten Feldwege nutzt. Der Nachteil: Im Herbst liegt da oft ordentlich „Bauernglatteis“ (Matsch).
- Die Verbindung Richtung Lünen und Dortmund wird besser, ist aber immer noch ein Flickenteppich. Wer hier pendelt, sollte sich nicht stur auf Google Maps verlassen, sondern mal am Wochenende Testfahrten machen. Oft ist der kleine Umweg über einen Kanaluferweg schneller als die direkte Route an der Bundesstraße entlang, wo man alle zwei Minuten an einer Ampel steht.
- Ein riesiges Thema ist der Radschnellweg Ruhr (RS1). Auch wenn der RS1 nicht direkt durch die Werner Innenstadt führt, ist er für Pendler aus dem Kreis Unna der „Game Changer“ der Zukunft. Die Idee ist eine Fahrrad-Autobahn von Hamm bis Duisburg. Die Anbindung von Werne an diese Hauptschlagader ist das, worauf wir hier politisch immer wieder drängen. Sobald man ohne Kreuzungen und Ampeln Kilometer fressen kann, wird das Rad auch für Strecken von 15 oder 20 Kilometern (z.B. nach Dortmund) eine echte Alternative zum PKW.
Das Phänomen „Dienstrad“: Mehr als nur JobRad
Jetzt kommen wir zum finanziellen Teil, und der ist für viele der eigentliche Auslöser, überhaupt erst aufs Rad zu steigen. Früher kaufte man sich ein Rad, Punkt. Heute „least“ man es über den Arbeitgeber. Der Begriff „JobRad“ ist dabei fast schon zum Gattungsbegriff geworden wie „Tempo“ für Taschentücher, auch wenn es viele Anbieter wie BusinessBike, Eurorad oder Mein-Dienstrad gibt.
Das Prinzip ist simpel, aber genial, weil Vater Staat hier ordentlich mitfinanziert. Es funktioniert ähnlich wie beim Dienstwagen, nur oft noch attraktiver.
So funktioniert die Gehaltsumwandlung in der Praxis
Hier machen viele den Fehler und denken, es sei kompliziert. Ist es nicht. Ihr Arbeitgeber least das Fahrrad und überlässt es Ihnen zur Nutzung. Die Leasingrate wird dabei direkt von Ihrem Bruttogehalt abgezogen (das nennt man Entgeltumwandlung). Da dadurch Ihr zu versteuerndes Einkommen sinkt, sparen Sie Steuern und Sozialabgaben.
Der eigentliche Clou ist aber die Versteuerung des geldwerten Vorteils. Während man früher 1 % versteuern musste (wie beim Auto), liegen wir seit 2020 bei nur noch 0,25 % des Bruttolistenpreises für Fahrräder und Pedelecs. Das ist fast geschenkt.
Hier ein paar Beobachtungen aus der Praxis, die Ihnen die Hochglanzbroschüren oft verschweigen:
- Rechnen Sie nicht mit Fantasiezahlen. Viele Online-Rechner gehen vom absoluten Optimalfall aus. Realistisch sparen Sie gegenüber dem Barkauf oft zwischen 20 % und 35 %. Das ist immer noch viel Geld, vor allem bei E-Bikes, die gerne mal 3.000 oder 4.000 Euro kosten.
- Die Versicherung ist meistens das eigentliche „Quiet Feature“. In den Leasingraten ist fast immer eine Rundum-Sorglos-Versicherung drin. Wenn Ihnen das Rad am Bahnhof geklaut wird oder der Akku den Geist aufgibt, ist das nicht Ihr finanzielles Fiasko. Gerade bei teuren E-Bikes schläft man damit deutlich ruhiger.
- Vorsicht bei der Rente. Wer weniger Brutto hat, zahlt auch minimal weniger in die Rentenkasse ein. Das sind oft nur Cent-Beträge, die man durch die Ersparnis locker privat anlegen könnte, aber man sollte es zumindest wissen.
- Nach 36 Monaten läuft der Vertrag meist aus. Sie können das Rad dann oft für einen schmalen Taler (meist um die 15-18 % des Ursprungswertes) rauskaufen. Da der Marktwert gebrauchter E-Bikes oft viel höher liegt, ist das der zweite große finanzielle Gewinn bei der Sache.
Ein Wort an die Arbeitgeber in Werne
Ich spreche oft mit lokalen Unternehmern hier im Kreis. Die Skepsis ist anfangs oft groß: „Zuviel Bürokratie“, „Was, wenn der Mitarbeiter kündigt?“.
Ganz ehrlich? Diese Sorgen sind heute unbegründet. Die Leasing-Anbieter haben das mittlerweile so digitalisiert, dass der Aufwand für die Personalabteilung minimal ist. Und für das Risiko von Kündigung oder Krankheit gibt es Ausfallversicherungen.
Viel wichtiger ist doch: Was haben Sie davon? Parkplätze in Werne sind teuer oder rar. Wenn fünf Mitarbeiter aufs Rad umsteigen, haben Sie morgens fünf Parkplätze mehr für Kunden oder Besucher. Das ist bares Geld wert.
Dazu kommt, dass Mitarbeiter, die sich morgens schon bewegt haben, oft wacher und ausgeglichener im Büro ankommen. Das ist keine Esoterik, das ist Physiologie. Wer sich morgens durch den Stau auf der A1 oder der B54 gequält hat, kommt schon mit einem Puls von 180 zur Arbeit. Der Radler kommt vielleicht leicht verschwitzt (dafür gibt es Duschen!), aber mental frisch an.
Verkehrssicherheit und Ausstattung
Wenn Sie jetzt sagen „Okay, ich probiere es“, dann bitte nicht mit dem alten Drahtesel, der seit zehn Jahren im Keller steht und kaum Licht hat. Pendeln in Werne und Umgebung, gerade in den dunklen Monaten, erfordert vernünftiges Material.
- Licht ist Leben. Die Straßenbeleuchtung endet oft am Ortsausgang. Wer über die Dörfer fährt, braucht einen Scheinwerfer, der die Nacht zum Tag macht, keine Funzel. E-Bikes haben das meist integriert.
- Gute Regenkleidung kostet. Aber sie ist jeden Cent wert. Es gibt nichts Schlimmeres, als in nasser Jeans im Büro zu sitzen. Investieren Sie in eine wirklich dichte Regenhose und Überschuhe. Das Wetter im Münsterland ist besser als sein Ruf, aber wenn es regnet, dann meistens waagerecht.
- Packtaschen statt Rucksack. Wer jeden Tag den Laptop und Wechselkleidung auf dem Rücken schleppt, kommt verschwitzt an. Moderne Ortlieb-Taschen oder ähnliche Systeme hängen am Gepäckträger, sind wasserdicht und der Rücken bleibt frei. Das ist der Unterschied zwischen „Sport“ und „Transport“.
Fazit: Einfach mal machen
Wir berichten hier auf der Seite viel über das, was schiefläuft – fehlende Radwege, gefährliche Kreuzungen, politische Trägheit. Das tun wir, weil es besser werden muss. Aber das sollte niemanden davon abhalten, es jetzt schon zu tun.
Die Freiheit, an der Autoschlange vorbei zur Arbeit zu rollen, ist ein Gefühl, das man schwer beschreiben kann – man muss es erleben. Nutzen Sie die Möglichkeiten wie JobRad. Die finanziellen Hürden für ein Top-E-Bike waren noch nie so niedrig wie heute.
Und wenn Ihnen auf dem Weg zur Arbeit doch mal ein Schlagloch oder eine gefährliche Stelle auffällt: Melden Sie es uns oder der Stadt. Nur so ändert sich was.
