Hand aufs Herz: Wenn wir in Werne ein blau-silbernes Auto langsam neben dem Radweg rollen sehen, zucken wir kurz zusammen. Hab ich das Licht an? Funktioniert das Rücklicht überhaupt? War ich gerade zu schnell auf der falschen Seite unterwegs?

Dabei – und das sage ich als jemand, der hier seit Jahren täglich in die Pedale tritt – ist die Polizei in Werne weit mehr als nur der bußgeldverteilende Sensenmann. Gerade wenn wir uns die Entwicklung der letzten Jahre anschauen, wo E-Bikes den Verkehr schneller (und ehrlich gesagt auch unübersichtlicher) gemacht haben, ist die Präsenz der Beamten an der Horne und rund um den Marktplatz oft der einzige Damm gegen das totale Chaos.

Wir haben auf diesem Portal ja oft genug über fehlende Infrastruktur gemeckert. Aber Infrastruktur ist nur die halbe Miete. Die andere Hälfte ist das Verhalten auf der Straße und der Schutz vor Diebstahl. Und genau da kommen die Kollegen der Kreispolizeibehörde Unna (Wache Werne) ins Spiel. Lassen Sie uns mal hinter die Kulissen der Kontrollen schauen, ohne in dieses typische Amtsdeutsch zu verfallen.

Licht-Test: Mehr als nur „Knöllchen-Abzocke“

Jedes Jahr im Herbst geht es wieder los. „Sehen und gesehen werden“ steht auf den Plakaten, und plötzlich stehen morgens um 7:30 Uhr Beamte vor dem Gymnasium St. Christophorus oder der Anne-Frank-Schule. Viele schimpfen dann über Abzocke. Ich sehe das anders.

Wer schon mal im November bei Nieselregen am Stadtrand unterwegs war und plötzlich von einem „Geisterradler“ ohne Licht fast umgenietet wurde, der weiß, warum diese Kontrollen überlebenswichtig sind. Die Polizei Werne fokussiert sich bei diesen Aktionen – meiner Beobachtung nach – nicht darauf, dem Opi das Geld aus der Tasche zu ziehen, weil sein Katzenauge fehlt. Es geht um die „Blindflieger“.

Was wird wirklich kontrolliert? Die Beamten schauen mittlerweile sehr genau hin, auch bei der Technik:

  • Funktionierende Scheinwerfer vorne und hinten sind logisch, aber viele wissen nicht, dass blinkende Anstecklichter am Körper den gesetzlichen Anforderungen der StVZO oft gar nicht genügen. Fest am Rad muss es sein.
  • Reflektoren sind das Stiefkind der meisten Radler. Ohne die „Katzenaugen“ (oder diese schicken reflektierenden Speichenclips) seid ihr von der Seite quasi unsichtbar für abbiegende LKW.
  • Die Einstellung des Scheinwerfers ist oft ein Streitpunkt. Wenn Ihre superhelle LED-Lampe den Gegenverkehr blendet wie ein Flutlicht im Stadion, gibt es zurecht eine Ansage. Der Lichtkegel gehört auf die Straße, nicht in die Baumwipfel.

Ein kleiner Tipp aus der Praxis: Wenn Sie in eine Kontrolle geraten und das Licht tatsächlich kaputt ist – bleiben Sie freundlich. Die Werner Polizisten sind auch nur Menschen. Oft kommt man mit einer Mängelkarte davon. Das heißt: Lampe reparieren, bei der Wache vorzeigen, Bußgeld gespart. Wer allerdings pampig wird, zahlt. Zurecht.

Die Sache mit der Codierung: Warum Aufkleber nicht reichen

Kommen wir zum leidigen Thema Diebstahl. Wer sein Rad schon mal morgens am Bahnhof abgestellt hat und abends nur noch das aufgebrochene Schloss vorfand, kennt diesen kalten Knoten im Magen. Werne ist zwar keine Kriminalitätshochburg wie Berlin, aber gerade hochwertige E-Bikes verschwinden auch hier erschreckend oft.

Die Polizei bietet deshalb regelmäßig Codieraktionen an. Und hier müssen wir mal mit einem Missverständnis aufräumen: Viele Händler kleben Ihnen beim Kauf einen Sticker mit einer Registriernummer auf den Rahmen. Das ist nett gemeint, beeindruckt einen Profi-Dieb aber null. Den knibbelt der in zehn Sekunden ab.

Die Polizei nutzt in der Regel die Nadelmarkierung oder graviert. Das geht ins Material. Um das zu entfernen, müsste der Dieb den Rahmen so tief abschleifen, dass er ihn quasi ruiniert. Das drückt den Wiederverkaufswert massiv.

Wie läuft so ein Termin ab?

Meistens finden diese Termine im Frühjahr und Sommer statt, oft direkt vor der Wache oder bei großen Events in der Innenstadt. Es ist nicht so bürokratisch, wie man denkt, aber ohne Vorbereitung stehen Sie umsonst in der Schlange.

Damit es glatt läuft, sollten Sie folgende Dinge im Rucksack haben:

  • Der Personalausweis ist absolute Pflicht. Ohne den geht gar nichts, die Beamten müssen ja sicherstellen, dass Sie keine fiktive Person sind.
  • Ein Eigentumsnachweis ist entscheidend. Idealerweise der Kaufvertrag oder die Rechnung mit Rahmennummer. Ich habe aber auch schon erlebt, dass bei uralten „Schätzchen“, wo die Quittung längst verrottet ist, eine schriftliche Eigentumserklärung vor Ort akzeptiert wurde.
  • Bringen Sie Zeit mit. Wenn das Wetter gut ist, ist halb Werne da. Nutzen Sie die Wartezeit ruhig, um mit den Beamten mal über kritische Ecken im Werner Radwegenetz zu quatschen. Die hören da oft genauer zu, als man denkt.
  • Wer ein E-Bike hat: Schlüssel für den Akku nicht vergessen! Manchmal muss der raus, um an die Rahmennummer zu kommen oder um das Rad stabil in die Codiermaschine zu spannen.

Der Code selbst ist übrigens clever aufgebaut. Es ist meist ein sogenannter FE-Code (Friedberger Eigentümer-Code). Da stecken Ihr Wohnort, die Straße und Ihre Initialen verschlüsselt drin. Findet die Polizei in München Ihr Rad, können die sofort sehen: „Aha, das gehört nach Werne, in die Musterstraße“. Kein Datenbankabgleich nötig, der Code spricht für sich.

Prävention in den Schulen: Wo der Grundstein gelegt wird

Eine Sache, die wir auf unserer Seite oft nur am Rande erwähnen, die aber fundamental für die Verkehrswende in Werne ist: Die Arbeit der Verkehrssicherheitsberater in den Schulen. Wenn wir wollen, dass die nächste Generation nicht nur im Elterntaxi zur Schule chauffiert wird, müssen die Kids sicher im Sattel sitzen.

In der vierten Klasse steht der Fahrradführerschein an. Das ist für die Kinder oft der erste echte „Test“ im Leben. Die Polizei übt mit den Grundschülern das Linksabbiegen, das Vorbeifahren an Hindernissen und das richtige Verhalten am Zebra-Streifen. Das klingt banal, aber beobachten Sie mal einen durchschnittlichen Erwachsenen beim Linksabbiegen – Hand raus, Schulterblick, Einordnen? Fehlanzeige. Die Viertklässler machen das oft besser als ihre Eltern.

Was mir hier besonders auffällt: Die Polizei geht mittlerweile auch in die weiterführenden Schulen, um das Thema „Toter Winkel“ zu demonstrieren. Da wird dann auch mal ein LKW auf den Schulhof gestellt und die ganze Klasse darf sich in den toten Winkel stellen, während einer oben im Führerhaus sitzt und nichts sieht. Ein Aha-Effekt, den kein Lehrbuch ersetzen kann.

Schwerpunktkontrollen: Nicht nur Licht und Technik

Abseits der angekündigten Aktionen gibt es auch die unangekündigten Schwerpunkte. Und ja, da erwischt es auch uns Radfahrer oft kalt. Ein Klassiker in Werne: Die Fußgängerzone. Es ist verlockend, eben schnell durchzurollen, aber wenn Markttag ist oder viel Betrieb herrscht, greift die Polizei durch.

Genauso das Fahren entgegen der Einbahnstraße (wenn es nicht explizit für Radfahrer freigegeben ist) oder die Nutzung des falschen Radweges („Geisterradeln“). Ich habe mich selbst schon dabei ertappt, wie ich aus Bequemlichkeit die Straßenseite nicht gewechselt habe. Kostet dann halt, wenn man erwischt wird. Und wenn wir ehrlich sind: Es dient unserer eigenen Sicherheit.

Ein Trend, den die Polizei auch stärker ins Visier nimmt, ist das Thema „Tuning“ bei E-Bikes und E-Scootern. Wenn das Ding plötzlich 45 km/h fährt, ist es kein Fahrrad mehr, sondern ein Kraftfahrzeug. Ohne Versicherungsschutz und Führerschein wird das richtig teuer – da reden wir nicht von 20 Euro Verwarnungsgeld, sondern von einer Straftat. Die Beamten haben mittlerweile einen geschulten Blick (und teilweise mobile Rollenprüfstände) für manipulierte Software oder illegale Chips.

Fazit: Partner, nicht Gegner

Klar, niemand zahlt gerne Strafe. Aber wenn wir die Berichte über Unfallschwerpunkte in Werne analysieren, wird klar: Kontrollen und Prävention sind das Rückgrat der Sicherheit. Ein codiertes Rad schläft sich ruhiger, und ein funktionierendes Licht kann auf der Landstraße zwischen Werne und Stockum den Unterschied zwischen „Heil ankommen“ und Krankenhaus machen.

Nutzen Sie die Angebote der Wache Werne. Lassen Sie Ihr Rad codieren, wenn der nächste Termin im Kalender steht. Und wenn Sie das nächste Mal in eine Kontrolle geraten: Sehen Sie es sportlich. Es ist ein Qualitätscheck für Ihre eigene Sicherheit.